
Viele befürchten, dass KI in der Personalarbeit zu mehr Distanz führt und persönliche Interaktion verdrängt. Doch aktuelle HR-Entwicklungen zeigen das Gegenteil: KI nimmt repetitive Aufgaben ab und schafft dadurch Freiraum für echten, persönlichen Austausch zwischen Personalern und Mitarbeitenden.
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Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten
Übersicht
Personalarbeit hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Moderne HR-Abteilungen stehen unter dem Druck, effizienter zu arbeiten, komplexere Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig eine möglichst individuelle Betreuung sicherzustellen. Repetitive, administrative Aufgaben beanspruchen jedoch einen großen Teil der verfügbaren Arbeitszeit und rauben so wertvolle Ressourcen. Genau hier setzen seit Jahren Lösungen wie Mitarbeiter- und Manager-Self-Service-Portale sowie Dokumentenmanagement- und Ticketingsysteme an: Sie automatisieren wiederkehrende Prozesse so weit wie möglich, um die Personalabteilung zu entlasten.
KI in der Personalarbeit: Wie funktioniert es im HR-Alltag?
Der konsequente nächste Schritt ist die Einführung von Künstlicher Intelligenz und darauf basierender agentischer KI (Agentic AI). Im Gegensatz zur reinen Automatisierung ermöglicht Agentic AI spezialisierte KI-Agenten, die autonom und koordiniert entlang ganzer HR-Prozessketten agieren. Man kann sich das wie ein Orchester vorstellen: Die Agentic AI ist der Dirigent, der die Partituren interpretiert, auf das Publikum und den Raum reagiert und das Ensemble koordiniert. Die KI-Agenten sind die einzelnen Musiker, die ihre Noten beherrschen, aber keine Kontrolle über das Gesamtgeschehen haben.
Im HR-Alltag bedeutet dies, dass eine agentische KI auf strukturierte Daten, Dokumente, Signaturen und Geschäftsregeln wie Gesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen usw. zugreifen kann. Agentic AI bildet somit die Architektur und Steuerungslogik eines komplexen KI-Systems. Innerhalb dieser Architektur wirken KI-Agenten als operative Einheiten, die jeweils bestimmte Prozesse oder Aufgaben autonom ausführen können.
KI-Agenten im HR bieten klare Vorteile wie:
- schnellere Bearbeitung von Standardanfragen
- weniger Fehler bei Dokumenten & Fristen
- bessere Nachvollziehbarkeit (Audit Trail)
- Entlastung bei Onboarding und Offboarding
- Abnahme von Routinetätigkeiten
Onboarding und Offboarding automatisieren: Praxisbeispiel
Ein gutes Einsatzbeispiel sind die On- und Offboarding-Prozesse. Sie bestehen aus vielen voneinander abhängigen Einzelschritten wie der Vertragsgenerierung, der Rechtevergabe, der IT-Freischaltung, der Rückgabe von Arbeitsmitteln oder der Zeugniserstellung. Diese sind häufig manuell, fehleranfällig und unterliegen strengen Dokumentationspflichten. Eine agentische KI kann diese Abläufe jedoch ganzheitlich orchestrieren. Vom initialen Antrag über das Erstellen und Versenden von Vertragsdokumenten und den automatisierten Abgleich mit Stammdaten und Rollenrechten bis hin zur digitalen Signatur werden alle Prozessschritte mithilfe spezialisierter KI-Agenten ausgeführt.
KI-Agenten können bereits selbstständig Aufgabenketten erkennen und bearbeiten. Sie steuern Prozesse durchgängig, tragen Informationen zusammen, bereiten notwendige Unterlagen vor und vermitteln sogar zwischen verschiedenen beteiligten Systemen. Sie ersetzen jedoch nicht die Entscheidung oder das Gespräch, sondern unterstützen dabei, das organisatorische Fundament zu schaffen, auf dem menschliche Interaktion erst richtig stattfinden kann.
Welche HR-Aufgaben KI NICHT übernehmen sollte
KI sollte in der Personalarbeit keine Aufgaben übernehmen, bei denen es um Empathie, Kontext und echte Verantwortung geht, also überall dort, wo Menschen nicht nur „bearbeitet“, sondern begleitet werden. Dazu gehören vor allem folgende Bereiche:
- Konflikt-, Feedback- und Trennungsgespräche
- Moderation von Spannungen im Team
- Gespräche über Belastung, Motivation und persönliche Probleme
- Situationen, in denen Vertrauen aufgebaut oder repariert werden muss
- Personalentscheidungen
- Leistungsbewertungen
- Karriereentwicklung
Besonders kritisch sind sensible Personalentscheidungen, etwa bei Beförderungen, Abmahnungen, Kündigungen oder Leistungsbewertungen. Hier kann KI zwar Daten strukturieren und Hinweise liefern, die Entscheidung sollte jedoch nicht automatisiert getroffen werden, da automatisierte Bewertungen häufig als weniger respektvoll wahrgenommen werden und Mitarbeitende sich schneller „objektiviert“ fühlen.
In Bereichen wie Führungskräfte-Coaching, Karriereentwicklung oder Gesprächen über Belastung, Motivation und persönliche Lebenslagen stößt die KI ebenfalls an Grenzen, da menschliche Urteilsfähigkeit nicht nur rational, sondern auch emotional und moralisch verankert ist. Deshalb gilt: KI darf HR-Prozesse effizient orchestrieren, doch die entscheidenden Momente, in denen es um Empathie, Fairness und Beziehung geht, müssen bewusst in menschlicher Hand bleiben.
Fazit: Am Ende profitiert die Employee Experience von der KI
Gerade weil KI repetitive Aufgaben übernimmt, rückt der Mensch wieder stärker in den Mittelpunkt der Personalarbeit. HR-Teams gewinnen Zeit für individuelle Betreuung, Coaching, Konfliktlösung, Entwicklungsgespräche und persönliche Präsenz. Anonymität entsteht nicht dort, wo Maschinen Routinearbeiten erledigen, sondern dort, wo Menschen keine Zeit mehr füreinander haben. Der Einsatz von KI sorgt dafür, dass genau das nicht passiert.
So zeigt sich: Zukunftsweisende Technologien wie agentische KI und KI-Agenten machen die Personalarbeit nicht anonymer, sondern schaffen Freiraum für echten, persönlichen Kontakt zwischen Personalern und Mitarbeitenden. Sie entlasten, strukturieren und vereinfachen. Dadurch können Personalverantwortliche das tun, wofür sie eigentlich da sind: Menschen begleiten, unterstützen und stärken.
FAQ
Nein, wenn KI vor allem Routineaufgaben übernimmt, dann entsteht mehr Zeit für persönliche Gespräche, Betreuung und Konfliktlösung. Unpersönlich wird die Personalabteilung eher dann, wenn die Mitarbeitenden keine Kapazität mehr füreinander haben.
Agentic AI beschreibt eine KI-Architektur, in der mehrere spezialisierte KI-Agenten eigenständig zusammenarbeiten und komplette HR-Prozessketten orchestrieren. Sie koordiniert Aufgaben somit nicht nur automatisch, sondern auch zielorientiert und prozessübergreifend.
Besonders geeignet für KI-Agenten sind standardisierte, daten- und dokumentenbasierte Prozesse. So zum Beispiel die Erstellung von Verträgen und Dokumenten, die Bearbeitung von Tickets, die Stammdatenpflege, das Fristenmanagement oder die Erteilung interner Freigaben. Überall dort, wo klare Regeln und wiederkehrende Abläufe bestehen, können KI-Agenten eine starke Entlastung bieten.
Ja, KI kann viele Schritte automatisiert steuern, beispielsweise Dokumente erstellen, IT-Freigaben anstoßen, Rollenrechte abgleichen oder Signaturen einholen. Die persönliche Begleitung und wichtige Gespräche sind jedoch weiterhin menschliche Aufgaben.
In der Regel nicht, denn KI übernimmt vor allem repetitive Tätigkeiten und schafft so Raum für strategische, beratende und menschliche HR-Arbeit. Der Fokus im Personalwesen verschiebt sich somit stärker hin zu Kommunikation, Entwicklung und echter Mitarbeiterbetreuung.



